Das Stuckateurhandwerk in Baden

INFORMIERT

PRESSEMITTEILUNG

Rust, 29. Juni 2018
 

Badische Bau- und Ausbauwirtschaft weiterhin auf gutem Weg

Qualifizierte Fachkräfte dringend gesucht

Bürokratiewahnsinn stoppen

Die badische Bau- und Ausbauwirtschaft befindet sich in der ersten Jahreshälfte 2018 nach wie vor auf hohem Niveau.

Die Produktionszahlen, die gute Stimmung der Unternehmer und die hohe Kaufkraft der Arbeitnehmer sind Indikatoren für das weitere Wachstum. Günstig entwickelt sich dadurch das Bauhauptgewerbe.

Die durchschnittlichen Auftragsbestände liegen bei 3 - 4 Monaten. Der Auslastungsgrad des Maschinenparks wurde mit 79,4 Prozent mitgeteilt. Das stärkste Wachstum im 1. Quartal 2018 verzeichneten nach Angaben des statischen Landesamtes der Wohnungsbau mit Umsatzzuwächsen von 36,9% im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr und der Wirtschaftsbau mit 12,4% Zunahme.

Für 2018 erwartet die Branche angesichts der guten Auftragslage und der positiven gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ein Umsatzplus von 4 Prozent (Vorjahr 7,8%) Die Preise steigen leicht.

Bei den Auftragseingängen gab es einen merklichen Dämpfer. Nach wie vor wird das Bauen im Bestand in allen drei Gewerken als wichtiger Markt gesehen. Die energetische Aufrüstung von Gebäuden stellt angesichts des Klimawandels sowie steigender gesetzlicher Anforderungen für den Energieverbrauch von Gebäuden immer noch ein wichtiges Tätigkeitsfeld für die Firmen dar.

Es besteht Zuversicht, dass sich die Nachfrage nach Bau-Ausbauleistungen weiterhin gut entwickeln wird. Der nach wie vor starke Mehrfamilienhausbau und die ungebrochene Investitionsneigung des verarbeitenden Gewerbes versprechen auch für die kommenden Monate eine gute Auslastung der Mitgliedsunternehmen. Erfreulich ist die weiterhin positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. So kletterte die Zahl der Beschäftigten in den ersten drei Monaten um durchschnittlich 5,6 %. Die Suche nach geeigneten Fachkräften stellt für die Branche dennoch eine enorme Herausforderung dar, um Auftragsspitzen auch zeitnah abzuarbeiten.

Vor dem Hintergrund eines weiter hohen Baubedarfs besteht im badischen Bau- und Ausbaugewerbe eine große Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften. 67 Prozent der Holzbauunternehmen, 75 Prozent der Stuckateurbetriebe und ebenfalls 67 Prozent der Schreinereien klagen über einen Arbeitskräftemangel bei Facharbeitern. Trotz einer leichten Steigerung der Zahl der Auszubildenden in den Bauberufen um 1,7 Prozent im Ausbildungsjahr 2017/2018 setzen die badischen Bau- und Ausbauverbände ihre umfangreichen Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung fort.

Erhebungen vom Fachverband Ausbau und Fassade Baden ergaben für die Konjunktur folgendes Bild:

Die Betriebe des Stuckateurhandwerks bezeichnen ihre Auftragsbestände im Wohnungsbau, Wirtschaftsbau und öffentlicher Bau mit großer Mehrheit als gut im Übrigen als befriedigend.

Große Sorge bereitet den Stuckateuren die Konkurrenzsituation von Firmen aus dem Ausland, die zunehmend sich selbständig machen und mit Mitarbeitern aus dem Herkunftsland, die für die Zeit ihres Aufenthalts oft in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind und von deren Lohn die Miete in Abzug gebracht wird, Aufträge an Land ziehen. Auch die Ausbildungszahlen im Stuckateuerhandwerk sind im Vergleich zu den anderen Gewerken nicht befriedigend.  

Im Sinne einer Stabilisierung der Konjunktur in der Bau- und Ausbaubranche fordert der Fachverband Ausbau und Fassade Baden bessere Rahmenbedingungen für das Bauen. Erforderlich ist insbesondere die Umsetzung folgender Maßnahmen:

 

1. Steuerliche Anreize für Investitionen in den Wohnungsbau schaffen
 

Aufgrund einer seit Jahren viel zu niedrigen Bautätigkeit im Wohnungsbau herrscht insbesondere in Ballungsräumen und großen Städten ein spürbarer Wohnraummangel. Die Zahl der neu fertiggestellten Wohnungen in Baden-Württemberg betrugen 2017 33.523 (Vorjahr: 32.745). Die in Bedarfsstudien ermittelte Mindestzahl von 50.000 bis 60.000 benötigten Wohnungen pro Jahr nach wie vor bei weitem nicht erreicht.

Vor diesem Hintergrund fordert das Bau- und Ausbaugerbe in Baden mit Nachdruck Schritte zur Erhöhung der Wohnungsbau-Investitionen. Dringend notwendig ist die Umstellung von linearer auf degressive Afa mit attraktiven Abschreibungssätzen, um mehr private Investoren für den Mietwohnungsbau zu gewinnen.

Begrüßt wird die Wiedereinführung für bauwillige Familien das sog. Baukindergeld. Allerdings stellt die Grunderwerbssteuer von 5% nach wie vor eine erhebliche Hürde dar. Dies sollte wieder auf 3,5% abgesenkt werden. Der von der Regierung geplante Freibetrag benachteiligt Familien in Ballungszentren.

Ein weiteres Hemmnis für die Bautätigkeit stellen die langwierigen Baugenehmigungsverfahren sowie komplizierte Bauvorschriften dar. Um Abhilfe zu schaffen, sind eine personelle Aufstockung bei den zuständigen Behörden sowie eine Vereinfachung der Genehmigungsverfahren unabdingbar.

Ein Engpass für den Wohnungsbau wird zudem durch die Verknappung des Baulandes verursacht. Eine ausreichende Baulandausweisung ist daher dringend erforderlich.

   
2. Förderung der energetischen Gebäudesanierung
  Damit die ehrgeizigen klimapolitischen Ziele der Bundesregierung, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 im Vergleich zu 1990 um 40 Prozent und bis 2050 um 80 Prozent zu reduzieren, erreicht werden können, muss die Sanierungsrate im Gebäudebestand dringend auf 2 Prozent verdoppelt werden. Dies kann nur erreicht werden, wenn deutliche Investitionsimpulse gesetzt werden. Notwendig ist über die bestehenden KfW-Förderprogramme hinaus die steuerliche Förderung der Gebäudesanierung durch eine steuerliche Sonder-AFA; dies auch bei selbstgenutzten Wohneigentum.
   
3. Keine Bauvergabe an unseriöse Billiganbieter
  Immer wieder kommt es bei öffentlichen Bauvergaben zu Auftragserteilungen an Billiganbieter, welche einheimische Firmen durch extrem niedrige Preisangebote unterbieten, nach der Auftragserteilung jedoch die vereinbarten Bauleistungen nicht oder nicht in der erforderlichen Qualität erbringen können. Um unangenehme Überraschungen durch Baumängel, Bauzeitverzögerungen oder Kostensteigerungen zu verhindern, appelliert die Bau- Ausbauwirtschaft in Baden an die öffentlichen Auftraggeber, sich bei der Auftragsvergabe nicht allein am Preis, sondern auch an der Leistungsstärke und Seriosität der anbietenden Firmen zu orientieren. Angebotspreise, die deutlich unter denen der Mitbewerber liegen, entpuppen sich später häufig als unrealistisch oder sind auf der Grundlage illegaler Beschäftigungspraktiken kalkuliert. Die vermeintlich kostengünstige Lösung für die Realisierung eines öffentlichen Bauvorhabens erweist sich daher für die Auftraggeber im Nachhinein oft als teuer und mit vielen Nachteilen verbunden
   
4. Abbau von Hemmnissen für die Betätigung deutscher Baubetriebe in der Schweiz und in Frankreich
 

Zahlreiche Hemmnisse erschweren die Tätigkeit deutscher Baubetriebe im benachbarten Ausland. Dazu gehören in der Schweiz scharfe Baustellenkontrollen wegen der Einhaltung aller Lohnvorschriften der Schweiz auf Heller und Pfennig; die Einführung der Bauhandwerkerkarte (Carte BTP) in Frankreich sowie weitere bürokratische Anforderungen.

Das badische Bau- Ausbaugewerbe fordert hier die Reduzierung der protektionistischen Hürden auf das gebotene Mindestmaß, bzw. Aufhebung derselben.

   
5. Dieselfahrverbote aussetzen
  Fahrzeuge des Wirtschaftszweiges Bau bestehen überwiegend aus Dieselfahrzeugen. Eventuell geplante Fahrverbote kämen einem Arbeitsverbot gleich. Daher bedarf es für diese Fahrzeuge Ausnahmeregelungen und lange Übergangsfristen für Neuinvestitionen.
   
6. Kritik an Aufhebungen von öffentlichen Ausschreibungen
 

Wegen vermeintlich zu hoher Angebotspreise gegenüber der eigenen Kostenschätzung werden vermehrt Ausschreibungen aufgehoben.

Dies ist rechtswidrig, wenn die Kosten durch den öffentlichen Auftraggeber nicht ausreichend ermittelt wurden und damit nicht ausreichende Haushaltsmittel bereitgestellt wurden.  Das Bau-Ausbaugewerbe Baden fordert ein Überdenken dieser Praxis und fordert die Ermittlung marktgerechter Preise für die Kostenschätzung.

   
7. Bürokratiewahnsinn stoppen
  Anstatt den von der Politik seit langem versprochenen Abbau von bürokratischen Hemmnissen endlich umzusetzen, verschärfen sich die einzuhaltenden Vorschriften für die Betriebe kontinuierlich in allen Bereichen. Insbesondere der Verbraucherschutz spiegelt sich mittlerweile in zahlreichen Vorschriften in unterschiedlichsten Rechtsgebieten wie z.B. dem seit Anfang des Jahres geltenden neuen Bauvertragsrecht wider, die völlig überzogen und unverhältnismässig sind. Auch die Vorschriften der Datenschutzgrundverordnung, die seit dem 25. Mai 2018 in Deutschland gelten, sind als für die Praxis völlig überzogen festzustellen.